‚O Gott, sei mir ein Sünder barmherzig‘

21. Oktober 2019
Diakon Faiva Po’oi
In der ersten Lesung unterrichtet ein weiser Lehrer seine Leser über die Gerechtigkeit Gottes. Wir hören, wie Gott die Gebete treuer und demütiger Diener beantwortet, obwohl sie Sünder sind. In der zweiten Lesung hören wir von der Zuversicht, mit der der heilige Paulus seinem Tod begegnet. Er braucht keine Angst zu haben. Er hat den Glauben bewahrt und vertraut nun darauf, dass der auferstandene Herr ihn belohnen wird. Im Evangelium vom 30. Sonntag in der gewöhnlichen Zeit hören wir Jesu Gleichnis vom Pharisäer und vom Zöllner, die zum Tempel gehen, um zu beten.
Wir alle haben den Ausdruck gehört: „zuviel des Guten ist schlecht“, und dieses Evangelium weist gewiß darauf hin. Der Pharisäer ist frommen Praktiken sehr treu und tut sogar mehr, als von ihm verlangt wird. Doch Jesus lobt ihn nicht für seine frommen Taten. Stattdessen kritisiert Jesus ihn und sagt seinen Zuhörern, dass er trotz all der „guten Taten“ des Pharisäers und der äußeren Frömmigkeit die Essenz und das Herz des Gebets vermisst hat. Wir können nicht wahrheitsgemäß zu Gott beten, wenn wir andere hart beurteilen und uns von denen unterscheiden, denen wir jeden Tag begegnen. Nur wenn wir uns mit Demut und Ehrlichkeit an Gott wenden, kann unsere Beziehung zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen authentisch sein.
In diesem Gleichnis stellt Jesus einen frommen Pharisäer und einen sündigen Zöllner gegenüber. Wahrscheinlich werden sich die meisten von uns dafür entscheiden, sich mit dem sündigen Zöllner und seinem demütigen Gebet zu identifizieren. Wahrscheinlich werden nur wenige, wenn überhaupt einer von uns zugeben, wie der Pharisäer zu sein. Doch die Realität ist, dass die meisten von uns mehr wie die Pharisäer sind, als wir glauben wollen! Wir sind stolz auf unsere guten Taten und religiösen Praktiken und stellen sie oft auf ein Podest – um von allen gesehen zu werden. Wir denken vielleicht, dass unser äußeres Verhalten uns rechtfertigen wird.
Zum Beispiel haben einige von uns Häuser voller Statuen und Schreine. Wir mögen häufig beten und zahlreiche Novenen besuchen, aber selten wohltätige Werke vollbringen. Einige von uns mögen der Spiritualität anderer kritisch gegenüberstehen und die Gebetspraktiken anderer für weniger angemessen und angemessen halten als unsere eigenen!
Um ehrlich zu sein, wahrscheinlich haben die meisten von uns etwas vom Pharisäer und vom Zöllner in uns.
Die Lesung des Evangeliums an diesem Sonntag bietet Ihnen und mir eine wunderbare Gelegenheit, nicht nur unser privates Gebetsleben, sondern auch unsere grundlegende Beziehung zu Gott zu beurteilen. Wir alle wollen Gutes tun. Unerwartet aber ist es der sündige Zöllner und nicht der fromme Pharisäer, der gerechtfertigt nach Hause geht.
Der Pharisäer distanziert sich klar und stellt sich über den Rest der Menschheit. Der Steuereintreiber identifiziert sich in seinem Eingeständnis, ein Sünder zu sein, mit der Menschheit. Der Pharisäer konzentriert sich auf sich selbst: Der Zöllner konzentriert sich auf Gott. Der Pharisäer ist dankbar für seine eigenen guten Taten. Der Steuereintreiber ist einfach dankbar für das Wirken Gottes in seinem Leben („Sei barmherzig“).
Es geht hier nicht darum, ob man fromme Praktiken ausüben sollte – natürlich sollten wir! Es geht hier auch nicht wirklich darum, ob diese Praktiken als Zeugnis für unser wahres Selbst vor Gott dienen.
Die Barmherzigkeit Gottes ist nichts, worauf irgendjemand von uns Anspruch hat. Es ist uns nicht „geschuldet“. Es wird nicht von uns „verdient“.“ In seinem Wesen ist es Gnade – ein Geschenk Gottes – in diesem Fall demjenigen gegeben, der darum bittet, egal wie sündig oder unvollkommen diese Person sein mag.
Das Gebet hilft uns, eine innige Beziehung zu Gott einzugehen und aufrechtzuerhalten. Nur die Treue zum Gebet wird uns die wahre Demut bringen, die uns rechtfertigt – eine Haltung gegenüber Gott, die anerkennt und bittet: „O Gott, sei mir Sünder gnädig.“ Die Heilige Eucharistie möge uns helfen, demütig zu sein und unsere Herzen mit Dankbarkeit für Gottes Barmherzigkeit, Gnade und Segen zu erfüllen.
Diakon Faiva Po’oi dient in der Pfarrei St. Timotheus in San Mateo.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.